(So
lautet eine alte finnische
Erfahrung. )
Vortrag
auf der Internationalen
Sauna-Tagung
1958 in Helsinki (Finnland)
Ihrem
Ursprung nach ist die
Sauna natürlich nicht
finnisch. Vor etwa tausend
Jahren war das Baden im
heißen Raum eine
osteuropäische Sitte,
die acker bauenden Völker
im bewaldeten, nördlichen
Osteuropa schon früh
angenommen haben dürften.
In
Mitteleuropa erlebte die
Badstube ihre Blütezeit
in der zweiten Hälfte
des Mittelalters, aber
im Zeitalter der Renaissance
trat dort ein Verfall
ein; die Badstuben wurden
Lasterhöhlen, in
denen man Karten spielte,
sich betrank und das sechste
Gebot übertrat. Deshalb
wurden sie mit Verboten
und Reglementierungen
verfolgt, und im 17. Jahrhundert
verschwanden sie. Das
war u. a. in Dänemark
der Fall.
In
Schweden gab es Badstuben
auf Bauernhöfen noch
im 18, Jahrhundert, In
Finnland und Rußland
hingegen hat die Kulturtradition
der Sauna ununterbrochen
von Jahrhundert zu Jahrhundert
weiterbestanden. Im kalten
Klima und unter den primitiven
Wohnverhältnissen
des Nordens behielt das
heiße Dampfbad seinen
Wert und seinen abhärtenden
Charakter. Reisende aus
Südeuropa haben voll
Entsetzen von den Badegewohnheiten
der Finnen mit dem dazugehörigen
plötzlichen Temperaturwechsel
erzählt: Männer
und Frauen saßen
eine halbe Stunde oder
sogar eine ganze auf der
Schwitzbank in einer Hitze
von 75 Grad und gingen
dann hinaus, um sich bei
30 Grad Frost abzukühlen.
Der
Italiener Acerbi, der
in den 90er Jahren des
18. Jahrhunderts Finnland
bereiste, berichtet darüber
und fügt hinzu, daß
zuweilen, wenn ein fröstelnder,
in seine Pelze gehüllter
Reisender in einem Gehöft
einkehrte, nackte Saunabadende
ohne Überstürzung
sogar sein Pferd abschirrten
und mit Heu versorgten
oder es nötigenfalls
wieder anspannten.
Zum
Baden baute man schon
in sehr frühen Zeiten
Blockhäuser mit vier
Wänden, aber sehr
ähnliche, einräumige
Gebäude waren auch
die Bauernstube, die den
Finnen zum Wohnen diente,
und die Darre, wo sie
ihr Korn trockneten und
droschen. Sicherlich gab
es bereits gegen Ende
der vorgeschichtlichen
Zeit auf den fortgeschrittensten
Bauernhöfen getrennt
Wohnstube, Sauna und Darre,
aber wenn ein Neusiedler
auch noch in späteren
Zeiten sein Gehöft
gründete, baute er
oft zuerst die Badstube,
in der er anfangs nicht
nur badete sondern auch
wohnte und sein Getreide
trocknete.
Die
Fischer und die Teerbrenner
haben ebenfalls Badstuben
gehabt, in denen sie wohnten,
wenn sie fern von ihrem
Heim ihrer Arbeit nachgingen.
In armen Lebensverhältnissen
kam es unlängst noch
vor, daß man ein
und dasselbe einzige Zimmer
zu den drei genannten
Zwecken benutzte: ich
habe selbst eine Wohnstube
besucht, in der die Bewohner
auch badeten sowie ihr
Korn trockneten und droschen.
Am Ende des vorigen Jahrhunderts
wohnten in einigen Gegenden
Finnlands in den geräumigen
Rauchbadstuben von Bauernhöfen
arme Familien, die man
'saunakestit', Saunagäste,
oder 'saunaloiset' nannte,
und zwar wohnten sie da
nicht nur vorübergehend,
sondern zuweilen dieselbe
Familie sogar jahrzehntelang,
Wie
sah die traditionelle
Rauchsauna eines finnischen
Bauernhofes aus,
an
die wir alten Leute uns
noch erinnern?
Ich
unterlasse hier die Schilderung
der ganz oder teilweise
in den Boden eingelassenen
"Bergbadstuben", wie arme
Leute sie gehabt haben,
- In Westfinnland war
die bäuerliche Sauna
stellenweise recht geräumig,
bis zu 6 x 7 Meter groß
und 4 Meter hoch, im übrigen
Finnland dagegen wesentlich
kleiner. Die Sauna war
immer ein Blockhaus für
sich, häufig aber
in einer Reihe und unter
einem Dach mit irgendeinem
anderen Wirtschaftsgebäude,
vorzugsweise der Kochhütte,
von der sie dann durch
einen Vorraum getrennt
war, wenn nicht der offene
Herd gerade im Vorraum
untergebracht war. Trotz
der Feuersgefahr und allen
Vorschriften der Obrigkeit
stand die Rauchsauna in
einigen Teilen des Landes
oft innerhalb des Hofes,
meistens aber lag ihr
Platz außerhalb
davon, allerdings ziemlich
nahe von diesem, höchstens
hundert Schritt entfernt.
Gern legte man sie in
der Nähe eines Brunnens
oder einer anderen Wasserstelle
an. Die Sauna ist natürlich
nicht überall ganz
gleich gewesen und ich
erkläre hier nun
einen badestubentyp, der
in früheren Zeiten
vielleicht am weitesten
in Finnland verbreitet
war. Die Tür befand
sich an der Giebelwand
und der Ofen ohne einen
Rauchabzug in der Ecke
neben dem einen Türpfosten.
Zwischen Ofen und Hinterwand
hatte man die Schwitzbänke
angebracht, in älterer
Zeit auf Querbalken, später
wurden sie oft von Pfosten
getragen oder bildeten
einen aus Balken gezimmerten
Aufbau. Die Schwitzänke
lagen etwa 1 Meter
über dem Fußboden,
ein wenig höher als
die Oberfläche des
Badstubenofens. Man bestieg
die Schwitzbank mit Hilfe
einer Treppe; um sie herum
standen Bänke, auf
denen man saß, wenn
man sich mit dem Badequast
schlug.
In
alten Bauernstuben gab
es aber auch ein geräumiges
Malzbrett, das von der
Türwand bis zur Hinterwand
reichte, so daß
es dem Ofen und den Schwitzbänken
gegenüberlag. Das
Malzbrett, das man zum
Süßen und Trocken
von Malz benutzte, lag
etwa
eine Elle (60 cm) höher
als die Schwitzbänke.
Unter den Schwitzbänken
gab es keinen Holzfußboden
sondern bloße Erde.
Dorthin warf man die gebrauchten
Badequaste, und dort gruben
die Jungen im Sommer Angelwürmer
aus. Der Ofen war aus
grauem Stein ohne Lehm
errichtet. Die alten Leute
erklären, daß
sich beim Gießen
von Wasser auf die Steine
Kohlengas bildete und
kein guter Dampf erzielt
wurde, wenn der Ofen mit
Hilfe von Lehm sehr dicht
gemacht wurde. Beim Heizen
kam der Rauch durch die
Ofenöffnung und durch
die Spalten zwischen den
Steinen ,heraus, worauf
er durch die etwas geöffnete
Tür und durch das
im oberen Teil der Wand
gemachte Fensterloch abzog.
In
einigen Badstuben hatte
man aus Brettern Rohre,
unten mit einer schließbaren
Klappe, gebaut, die den
Rauch nach oben ableiteten.
Im allgemeinen hatte die
Seitenwand ein kleines
Glasfenster, aber man
erinnert sich noch an
solche Badstuben, in denen
"Saunagäste wohnten,
die gar kein Glas, sondern
lediglich eine auf- und
zuzuschiebende Fensterluke
hatten. Wie gern die Finnen
in der Sauna baden, geht
daraus hervor, wie oft
es viele von ihnen getan
haben. Ich habe viele
Menschen aus dem einfachen
Volk gekannt, die annähernd
ihr ganzes Leben jeden
Werktagabend badeten,
sogar ein paar alte Leute,
die 364 mal im Jahr badeten,
nämlich an allen
Abenden außer dem
Abend des ersten Weihnachtsfeiertages.
Im
Sommerurlaub kann ein
Freund der Sauna auch
in unseren Tagen noch
mehrmals am Tage baden,
- Während der Perioden
der schweren Arbeiten
im Sommer und Herbst hat
das Bauernvolk im allgemeinen
öfter gebadet als
im Winter. Schon im 18.
Jahrhundert werden Orte
erwähnt, wo man im
Winter nur sonnabends
die Sauna besuchte, Andererseits
gibt es aus demselben
Jahrhundert Schilderungen,
daß die häuslichen
Arbeiten an den langen
Winterabenden sich großenteils
auf die Vorbereitung und
Durchführung des
Saunabades konzentrierten.
In jenen Zeiten übten
Ärzte und Wirtschaftler
strenge Kritik an der
Gewohnheit des täglichen
Badens, wobei die Ärzte
sie beinahe für einen
der größten
Übelstände der
Zeit hielten und es besonders
verurteilten, daß
Fieberkranke und Kleinkinder
in die Sauna gebracht
wurden. Es nahmen nämlich
immer alle Bewohner des
Hauses, wie groß
auch ihre Zahl sein mochte,
am Bade teil, von den
Ältesten bis zu den
Jüngsten - auch ein
Säugling lag, in
Windeln gewickelt, auf
dem Schoß der Mutter
und wurde dort leicht
mit dem Badequast geschlagen
u. gebadet, wobei der
Dampf nur warm, nicht
heiß sein durfte.
Auf
einem Bauernhof, der viele
Bewohner hatte, füllten
sich die Schwitzbänke
mehrmals mit Badenden,
und ich habe es selbst
erlebt, daß auf
den Schwitzbänken
einer großen bäuerlichen
Sauna 15 oder noch mehr
Personen auf einmal Platz
fanden. Die Männer
badeten im allgemeinen
zuerst, nach ihnen kamen
die Frauen, aber nach
Bedarf badeten alte Leute
oder Kinder oder die Frauen
der im Gehöft wohnhaften
"Saunagäste mit ihren
Kindern für sich.
Die Geschlechter wurden
jedoch keineswegs streng
getrennt, sondern oft
badeten Männer und
Frauen zusammen.
Alte
Leute erinnern sich noch
heute daran, daß
dies sogar in den Städten
in Volksbadstuben der
Fall war. Die Sittlichkeit
kam dadurch nicht in Gefahr,
denn die finnische Sauna
war ein heiliger Ort,
wo keine Unsittlichkeit
geduldet wurde. In der
Sauna schickte es sich
nicht zu streiten oder
zu fluchen, oder den Namen
Gottes zu nennen, dort
durfte man nichts Zotiges
sprechen, nicht grölen,
singen oder sich sonst
laut benehmen. "Zu den
jahrhundertealten, überlieferten
Sitten der Sauna gehört
ein demütiges und
stilles Wesen, wie es
zur Heiligung in Reinheit
paßt" (Pälsi).
Man glaubte natürlich
auch, daß in der
Sauna ein Geist wohne,
der aber gutmütig
sei und niemand störe,
der die in der Badstube
vorgeschriebenen guten
Sitten einhielt. In Uusikirkko
auf der Karelischen Landenge
wußten die alten
Leute zu erzählen,
die Sauna sei deshalb
ein geheiligter Raum,
weil seinerzeit Maria
und Josef drei Jahre in
einem Baderaum gewohnt
hätten (Paulaharju),
Die
primäre Aufgabe des
Saunabades war natürlich
die Reinigung des Körpers
von Schmutz, aber zugleich
auch die Reinigung von
Krankheiten. Die Kritiker
der Sauna behaupteten
zwar in früheren
Zeiten, daß man
sich in der Badstube im
allgemeinen nicht
wasche,
sondern ebenso rußig
von da zurückkomme,
wie man hingegangen sei,
und ein schmutziges Hemd
anziehe, noch dazu auf
die nasse Haut, ohne sich
vorher abzutrocknen. Es
ist allerdings eine Tatsache,
daß heißes
Wasser in den Badstuben
des Landes der Tausende
von Seen recht sparsam
verwendet wurde - das
Erhitzen des Wassers geschah
übrigens in alten
Zeiten mit Hilfe erhitzter
Steine -, aber jedenfalls
löste das Schwitzen
und die Benutzung des
Badequastes den Schmutz,
und außerdem fiel
das Ungeziefer größtenteils
durch den heißen
Dampf tot zu Boden. (Zuweilen
hängte man das Hemd,
gerade um das Ungeziefer
zu vertreiben, auf eine
besondere Querstange in
der heißen Sauna.)
In
späteren Zeiten wurde
es Sitte, das Hemd jeden
Sonnabend zu wechseln,
und wir erinnern uns noch,
was für ein Genuß
es war, sonnabends aus
dem Bade mit einem sauberen
Hemde bekleidet in die
Stube zurückzukommen,
wo schon der Friede des
nahenden Ruhetages eingekehrt
war.
Was
das Reinigen von Krankheiten
betrifft, so will ich
hier nicht die Sauna als
Stätte magischer
Heilkunde und als Tempel
des Geisterglaubens schildern,
sondern ich beschränke
mich auf die Erwähnung,
daß man, wenn ein
Kranker gebadet wurde,
sich beim Werfen von Wasser
auf den Ofen, wodurch
man Dampf erzeugte, mit
Gebeten und Zaubersprüchen
an die Geister wandte,
und daß ebenso das
Schlagen mit dem Badequast
einen Zaubercharakter
gehabt hat - und nicht
nur beim Heilen von wirklichen
Kranken, sondern z, B.
auch von Kindern, die
viel weinten. - Schon
mit dem Heizen der Sauna
konnte Zauber verbunden
sein. So heizte man die
Badstube, wenn ein plötzlich
Erkrankter geheilt werden
sollte, mit vom Wind umgeworfenen
Bäumen, während
vom Gewitter gespaltene
Bäume in einigen
anderen Krankheitsfällen
als wirksam galten (G.
Suolahti).
Außer
von Schmutz und Krankheit
befreite man sich im Saunabad
auch von Müdigkeit,
man wurde dadurch erfrischt,
und es ist auch ganz offensichtlich,
daá die Saunabesuche
für das finnische
Volk Erfrischung und Vergnügen
gewesen sind, gleichsam
"Oasen in der Wüste
des
Alltagslebens" (G. Suolahti).
Finnische Bauern versicherten
dem oben genannten Italiener
Acerbi, daß sie
ohne ihre Bäder ihre
schwere Arbeit nicht aushalten
würden. Die Sauna
erneuerte ihre erschöpften
Kräfte rascher als
Schlaf oder sonstige Ruhe.
In der Sauna lag eine
wunderbare, lebenserneuernde
Kraft. Finnische Dichter
und Schriftsteller haben
das Lob der Sauna gesungen,
den ganzen Verlauf des
Badens und die Feinheiten
des Genusses in den einzelnen
Phasen geschildert, sie
haben von den Glücklichen
erzählt, die von
Natur besonders begabt
sind, den Genuß
des Dampfbades in all
seiner Vollkommenheit
aufzunehmen, Schon "wenn
wir uns an die Freuden
und Reize der Sauna erinnern,
kommt in unser Wesen ein
eigenartiges, ruhiges
Gleichgewicht, wo Körper
und Geist ruhen, und die
Welt in unserem Sinn verklärt
wird". Wenn wir nur an
die Sauna denken, an diese
von uns heiliggehaltene
Einrichtung, "flieht die
Alltäglichkeit und
wir sprechen davon mit
aufrichtigem Eifer, der
auch den Alltagssinn zum
Schwärmen bringt
und die harten Herzen
schmelzt" (Pälsi).
Der
Genuß, den das Bad
bot, wurde keineswegs
dadurch vermindert, daß
man es mit Gästen
und Nachbarn teilte und
sogar ein Bettler dessen
teilhaftig werden konnte.
Im allgemeinen hatten
in Finnland auch arme
Familien ihre eigene Sauna,
aber andererseits liegen
aus einigen Gegenden Angaben
vor, daß ein ganzes
Dorf in einer einzigen
Badstube baden konnte,
die jede Familie an einem
bestimmten Abend heizte.
Im Kirchspiel Jämsä
hatten zwei Nachbargehöfte
vor einigen Jahrzehnten
jedes seine eigene Sauna
- sie lagen beide an einem
vorbeiflieáenden
Bach, und in ihnen badete
man jeden Werktagsabend
-, aber außerdem
hatten die Bauernhöfe
eine gemeinsame Sonntagssauna,
Diese lag genau an der
Grenze der beiden Gehöfte,
und darin badete man am
Sonntag zusammen. Mit
den großen Sonntagsstunden
des Lebens war das Baden
in der Sauna ebenso wesentlich
verbunden wie das Festmahl,
und so empfing man im
Dampf, sich mit dem Badequast
schlagend, die Familienfeste
und die jährlichen
Feste, an denen ein Lebensabschnitt
oder eine Jahreszeit in
etwas anderes überging
und alles, was man tat,
eine Färbung von
Vorbild eine derartige
Badstube.
Literatur:
DK 613.46 (471.1) Erzählungen
und Zeichnungen in Archiven
des Vereins für Finnische
Literatur und des Nationalmuseums
Juhani Aho, Kotoinen kylyni
(Lastuja 11), 1905 Lauri
Kuusanmäki, Elämänmenoa
entisaikaan, 1954 Sakari
Pälsi, Vanhaa ja
katoavaa, 1921 Verfassers:
Lektor Dr. phil. Lauri
Kuusanmäki